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Liebe Leser,
sollten Sie unter Narben leiden, lohnt sich die nachfolgende spannende Lektüre – denn ausgeprägte Narben müssen nicht (mehr) sein! Wir waren bemüht, Sie schnell und möglichst verständlich durch das Medizin-Chinesisch zu führen.
(Stichwörter: Behandlungsmöglichkeiten, Mikronadel, Gene, Atrophische Narben, Hypertrophe Narben, Keloide, Verbrennungsnarben, Schwangerschaftsstreifen, Kopien, Selbstbehandlung, Zukunft des Microneedlings)
Es gibt kaum einen Menschen ohne Narbe, mag es nur eine kleine Impfnarbe oder eine große Operationsnarbe sein, und kaum ein Betroffener wird sagen, dass er seine Narbe(n) als schön empfindet, besonders dann, wenn er sie nicht verbergen kann. Hier nur einige Zahlen:
Nehmen wir an, tagtäglich muss bei einem Promille (einem aus Tausend) der deutschen Bevölkerung nach Unfall oder Operation eine Wunde von ca. 6 cm Länge verschlossen werden. Das sind fast 5 km Narben, Tag für Tag! Nimmt man die gesamte „westliche“ Bevölkerung (Europa und Nordamerika) mit rund 730.000 Millionen Menschen, messen die Narben aneinandergereiht den Umfang des Äquators, 40.000 km – jeden Tag einmal um die Welt!
Narben sind lebenswichtige Wundverschlüsse aus meist parallel angeordneten Collagenbündeln. Sie sind mal erhaben (hypertroph), mal eingesunken (atrophisch). Narben können blass oder flammend rot sein, mal breit, mal schmal, oft juckend und manche die Bewegung einschränkend. Wie auch immer, keiner mag sie! Entstellende Narben bedeuten für viele Betroffene eine Stigmatisierung, wie ein biblischen Kainszeichen, und oft ein lebenslanges seelisches Leiden.
Narben, der sichtbare Endzustand einer Heilung, führen in der Medizin ein Schattendasein, zumal sie sich in den meisten Fällen als therapieresistent (behandlungswiderspenstig) erweisen. Die Schulmedizin ist in Sachen Narben fast hilflos und kommentiert die Therapieaussichten mit: „Sehr schwierig!“ Natürlich beschäftigen sich Mediziner, Gerätebauer und die pharmazeutische Industrie nach wie vor „wesentlich“ bessere Therapien zu entwickeln. Doch all das dauert seine Zeit! Und warum? „Es gibt wesentlich Wichtigeres zu tun und wir haben mit dem Wundverschluss unsere Pflicht getan“, wird sich mancher Mediziner sagen. Wie schrieben 2004 Worret et al. im Deutschen Ärzteblatt so treffend: ...um sie (die Narben) klinisch unauffälliger zu machen...Trotzdem wird nur eine Gentherapie in der Zukunft eine vollständige Wiederherstellung erreichen können.“
Was bisher alles versucht wurde, um die bohrenden Patientenfragen zu beantworten und den Bitten nach einer Narbenverbesserung nachzukommen, finden Sie auf unserer Narben-Therapie-Tabelle.
Gene
Wir meinen, dass Prof. Worret und seine Kollegen mit der „Gentherapie“ der Wahrheit recht nahe gekommen sind, doch anders als sie sich das vorgestellt haben. Die noch gar nicht solange entdeckte Epigenetik sagt uns, dass nichts auf dieser Welt wirklich starr und für immer festgelegt ist, und auch unsere Gene unterliegen äußerlichen Einflüssen, sei es durch chemische oder elektrische Einflüsse. Das Zauberwort heißt in diesem Fall: Gen-Expression durch Mikronadeln des Dermarollers®. Gene, diese so geheimnisvollen Träger des Erbguts, sind in der DNA, unserer Erbinformation, gespeichert. Jede einzelne, winzige, mit dem bloßen Auge kaum sichtbare Zelle hat sie in Kopie angelegt. (Auseinander gezogen hat jeder Genstrang eine Länge von fast 2 Meter).
Einerseits wie „vorprogrammiert“ (z.B. Augenfarbe, Geschlecht, etc. pp.) aber auch durch äußere Einflüsse, werden Gene ab- und angeschaltet. Zwei unterschiedliche Beispiele: Beim so genannten androgenetischen (männlich-erblichen) Haarausfall werden ab einem bestimmten Alter, hauptsächlich beim Mann, die Gene abgeschaltet, die für den Haarwuchs (bevorzugt auf dem Kopf) verantwortlich sind. Stellen Sie sich ein Gen als Sequenz vor 4 Schaltern vor, ähnlich wie in einem Sicherungskasten, mit unterschiedlichen An/Aus-Stellungen. Auch Frauen leiden unter Haarausfall, doch dieser kann krankheitsbedingte Ursachen haben. Es kam, z.B. durch Hormonstörung, zur Gen-Abschaltung, doch durch Zuführung gewisser Medikamente kommt es wieder zur Gen-Expression. Die Schalter werden wieder in ihre (vor dem Haarausfall) ursprüngliche Stellung gerückt.
Ein anderes Beispiel für das Zusammenspiel von Mikronadeln und Genen:
Wir wissen, dass sich mit zunehmendem Alter die Stammzellen der Haut und Epidermis immer langsamer teilen, ihre Produktion verringert sich, die Haut wird dünner und damit faltiger. Aber auch in der Epidermis, die über keine Blutgefäße und Nerven verfügt, kommt es zur Gen-Expression, wenn sie durch sehr feine und kurze (0,1 – 0,2 mm) Nadeln (ohne jeden Wirkstoffzusatz) stimuliert wird. Die Produktion von Keratinozyten, aber auch die Vermehrung von Collagen VI und VII, die Verbindungs-Collagene zwischen Epidermis und Dermis, wird wieder angekurbelt – und zwar deutlich. Diesen Nachweis haben Lilli Fan und Don Owen erbracht und 2010 in Atlanta/USA auf dem Internationalen „Congress for Microneedling“ vorgestellt [4].
Atrophische (eingesunkene) Narben
Wer kennt sie nicht, die ungeliebten Aknenarben, von denen so viele junge Menschen nach der Pubertät betroffen sind. Eingeschlossene Komedone (Mitesser) entzünden sich, und mancher Zeitgenosse unterstützt diesen Prozess oft noch durch Quetschen, Kratzen und andere Manipulationen. Die weiter verbreitete Entzündung zerstört Gewebe und übrig bleibt eine (meist eingesunkene) Narbe.
Diese „kraterähnliche“ Narbenform, auch sehr enge, trichterförmig nach innen gewachsene Narben (Typ: Ice-pick), sind sehr einfach und erfolgreich behandelbar. Dabei müssen vom geschulten Arzt lediglich bestimmte Anweisungen beachtet werden. Nachdem das alte fibrotische (narbige) Gewebe ausreichend perforiert wurde, wandern Fibroblasten in das Narbenbett und füllen es mit Collagenstrukturen wieder auf. Gleichzeitig werden die Innenzellen der Blutgefäße (Endothelzellen) zur Zellteilung stimuliert. Es sprossen neue Blutgefäße (Kapillaren) in das perforierte Narbengewebe und verbessern die Versorgung mit Nährstoffen, Sauerstoff und Blutfarbstoff (Hämoglobin). Diesen Farbstoff kann man in diesem speziellen Fall auch als ein kosmetisches Hilfsmittel sehen. Er trägt dazu bei, dass sich das ehemals blasse Narbengewebe mit dem roten Farbton wieder der umgebenden, gesunden Haut angleicht.
Behandlungsfolgen
Der Körper benötigt natürlich Zeit, genau genommen mehrere Monate, zur Ausformung neuer Collagenstrukturen. Erst nach 8 bis 10 Wochen sollte eine Folgebehandlung in Betracht gezogen werden. Bei anderen Narbentypen können die Behandlungsintervalle wesentlich länger sein.
Hyperthrophe (erhabene) Narben.
Im Gegensatz zum Keloid (siehe weiter unten) handelt es sich hier um eine Narbe mit überschießender Fibroblastenaktivität, deren Erhabenheit jedoch auf den Narbenrand beschränkt bleibt. Sie ist in der Regel nach 4 bis 6 Monaten „ausgereift“. Auch wenn die Versuchung nahe liegt, hier längere Nadeln einzusetzen, ist dies der falsche Weg! Länger ist nicht immer besser - warum? Es geht zunächst einmal darum, einen Narbenabbau in Gang zu setzen. Und hier setzt ein nur wenig erforschter Prozess ein, und trotzdem untermauern viele physiologische Vorgänge des Körpers unsere Thesen.
Wie bekannt, werden durch das Microneedling Fibroblasten zur Proliferation (Vermehrung) angeregt. Der Organismus erkennt aber auch – wie und warum, wissen wir nicht genau – das „Zuviel“ an unformatiertem (Narben-) Gewebe. Ein Hinweis darauf ist, dass Narbengewebe im Laufe der Zeit abgebaut wird, und hypertrohphe Narben und Keloide können sich spontan zurückbilden, doch welche Faktoren spielen hier die bestimmende Rolle? Hier bieten sich uns zwei unterschiedliche Zelltypen an. Einmal proteinabbauende Enzyme, zum anderen Fibroklasten. Dabei handelt es sich offensichtlich um "umprogrammierte" Fibroblasten und Fibrozyten, dem eher starren Gerüst der Hautmatrix. So wie Fibroblasten für den Collagenaufbau verantwortlich sind, agieren die Fibroklasten eher als Abbauer, als abtragende Modellierer, als „Bildhauer“ des Narbengewebes. Es ist demnach angezeigt, in der ersten Behandlung mit speziellen Dermaroller-Typen den „Abbau“ in Gang zu bringen.
Keloide
Auf die Pathogenese (Entstehung) und Ursachen brauchen wir an dieser Stelle nicht näher einzugehen, sie sind weitgehend bekannt. Eine genetische Disposition ist sehr wahrscheinlich, hinzukommen „außer Kontrolle“ geratene Wachstumsfaktoren, überschießende Keratinozyten und ein unkontrolliertes Wachstum wesentlich vergrößerter Fibroblasten.
Ivan Safonov, ein seit Jahren mit dem Dermaroller® arbeitender Dermatologe aus Kiew, der sich (fast) ausschließlich mit Narben beschäftigt, wies in seinem Artikel darauf hin, dass man Keloide mit dem Dermaroller mit guten Erfolgsaussichten behandeln kann. Voraussetzung jedoch ist, dass sie sich nicht mehr in einem „Aktivstadium“ sondern in einer Degradationsphase (Abbauphase) befinden. Trotzdem kann er Rezidive (Wiederauftreten) nicht ausschließen, obwohl er sie nach dem Microneedling noch nicht beobachten konnte.
Aus praktischer Erfahrung wissen wir, dass Mikronadeln auf das Hautgewebe einen „ausgleichenden“ Einfluss haben. Das Zuviel wird abgebaut (z.B. auch Hyperpigmentation), das Zuwenig wird „ergänzt“ (Collagenaufbau). Die Schlussfolgerung, die wir aus den Arbeiten von Safonov ableiten können ist, dass durch die Nadelreize auch bei Keloiden sehr vermutlich eine erhöhte Aktivität von Fibroklasten oder proteinabbauenden Enzymen in Gang gesetzt wird – was noch genauer zu untersuchen wäre.
Verbrennungsnarben
Ein Wort vornweg. Bei aller Bescheidenheit sind wir sehr stolz darauf, dass der Dermaroller® gerade bei diesen, in der Vergangenheit kaum behandelbaren Narben, einen echten Therapiedurchbruch erreicht hat. In fast allen Fällen konnte durch das Microneedling bei den Betroffenen eine deutliche ästhetische Verbesserung, aber auch eine erhöhte Gewebemobilität erreicht werden, was wiederum zur deutlichen Schmerzreduzierung führt. Im wahrsten Sinne des Wortes „streicheln“ in diesem Fall Mikronadeln die Seele der Betroffenen.
In den meisten Fällen handelt es sich bei Verbrennungsnarben um eine Mischform der beiden oben genannten Narbentypen. Das wirkliche Problem, dieser durch thermische Einwirkung „verschmorten“ Proteine ist, dass sie sich im Laufe der Zeit zu „sklerotischen“ (verhärteten) Narben entwickeln. Dies führt in vielen Fällen, besonders mit zunehmendem Alter, zur Einschränkung der Mobilität an Gelenken und im Halsbereich, - die damit verbundenen Schmerzen kann der Außenstehende nicht ermessen. Oft bilden sich im Narbengewebe selbst erhabene Narbenstränge, die durchaus 2 bis 3 mm über der eigentlichen Brandnarbenfläche erhaben sein können. Igor Safonov [5] hat eindrucksvoll belegt, dass Verbrennungsnarben hervorragend auf das Microneedling reagieren. Er konnte mit beeindruckenden Photodokumenten verdeutlichen, dass selbst eine durch Verbrennungen entstandene Hyperpigmentierung (konzentrierte Anreicherung von Pigmenten) sich fast wieder auf das „Normal“ reguliert. Selbst bereits lang anhaltende Erytheme (entzündliche Rötungen) nach Verbrennungen, reagieren auf das Microneedling. Diese Erytheme entstehen vermutlich durch den thermischen Einfluss dergestalt, dass die flexiblen Stützproteine kleiner Blutgefäße sich zwar nach der Hitzeeinwirkung folgegemäß erweitert haben, sich aber aufgrund des degradierten Proteins nicht mehr zusammen ziehen können. Safonov nimmt an, dass die Mikronadeln einerseits zum Abbau der denaturierten Collagenfasern beitragen, aber auch das Endothel zur Aussprossen neuer Kapillaren stimuliert.
Aust et al. setzten bei Verbrennungsnarben Dermaroller mit Nadellängen von 3 mm ein. Aus heutiger Sicht und mit den gewonnenen Erkenntnissen, sind solche Nadellängen nicht mehr (bzw. nur in Einzelfällen) angezeigt. Diese Nadellängen erforderten stets eine Vollnarkose, mit all ihren möglichen Nebenwirkungen, die bei einem eher „zurückhaltenden“ Microneedling absolut vermeidbar sind. Verbrennungsnarben sollte man wie hypertrophe Narben behandeln (siehe oben).
Verbrennungsnarben gehören in die Hände von „Spezialisten“, und es ist strikt zu beachten, dass sich die Ergebnisse oft erst nach vielen Monaten (4 bis 8) einstellen. Dies erklärt sich dadurch, dass nach dem Microneedling außergewöhnlich viel Narbengewebe ab- und umgebaut werden muss – und das braucht seine Zeit.
Striae (Schwangerschaftsstereifen) sind auch Narben
Die meisten Dehnungssstreifen entstehen während der Schwangerschaft. Hormonelle Einflüsse beeinträchtigen u.a. auch die Proliferation von Fibroblasten, die den allmählich entstehenden Gewebsriss nicht (mehr) „schnell genug“ verschließen können. Die Striae sind mit dem Dermaroller mit recht guten Ergebnissen behandelbar. Je früher behandelt (>3 Monate), desto besser sind die Ergebnisse. Da die Gewebsrisse oft über eine große Hautfläche verteilt sein können, und Anästhesiecremes nur eine gewisse Wirkdauer haben und nicht unbegrenzt flächig eingesetzt werden sollen, empfiehlt es sich, z.B. eine Bauchregion, in mehreren Etappen zu behandeln. (Zur topischen Anästhesie empfehlen wir das ab August 2011 erhältliche Dolocupin®).
Kopien des Dermarollers®
Erfolg erregt Neid - und erzeugt Kopien! Ein eher trauriges Kapitel des west-östlichen Dialogs, eine menschliche Schwäche, auf die man aber in Asien sehr stolz ist – Copy the Master!
Auf den ersten Blick werden sogar Ärzte hinters Licht geführt und sie greifen nach dem scheinbar billigeren Angebot. Die Laien gehen ins Internet und behandeln sich dann mit nicht-sterilen Kopien von billiger Nadelqualität selbst. Die Komplikationen bis hin zur Phlegmone kann man sich dann ausmalen. Kopien erkennt man oft erst auf den 2. Blick, oft nur unter dem Mikroskop. Viele Nachahmer prahlen mit „sehr langen Nadeln“. Andere überschlagen sich in der Nadelzahl, statt nur 200, bieten sie jetzt 600 an und vergessen ganz nebenbei, dass indische Gaukler denselben Trick mit ihrem Nadelbett benutzen. Zu viel, zu lang ist eben doch nicht gut! Jüngst tauchte eine Vertriebsfirma, Anführer eines Ärzte-Netzwerks, auf dem deutschen Markt auf und brüstete sich mit einer „phantastisch günstigen“ Eigenentwicklung mit CE- und FDA-Zulassung. Nachdem juristisch ein wenig gebohrt wurde, kam eine dreiste chinesische Fälschung zu Tage.
Keiner der Kopieanbieter kann auch nur eine einzige wissenschaftliche Veröffentlichung über sein Produkt vorweisen, noch bieten sie eine Produkthaftung – das Risiko, wenn etwas „schief geht“, liegt also beim Anwender! – Das Benutzen nicht CE-gekennzeichneter Produkte ist gemäß dem MPG strafbar! 10 Euro gespart und der Gesetzgeber quittiert das Sparen mit langjähriger Haft oder saftigen Geldstrafen – Kopien lohnen sich nicht!
Kurzum, wir erfanden den ersten Dermaroller® 1999 und patentieren ihn ein Jahr später. Es war ein ständiges Weiterentwickeln und unsere heutigen Modelle haben mit den Anfängen nichts mehr gemein. Wir sind Ingenieure und haben ein fundiertes Wissen von Stählen, Nadelgeometrie und Hautphysiologie. Selbstverständlich ist unser Unternehmen CE-zertifiziert und wir produzieren unsere Medizinprodukte in Wolfenbüttel (Lessings Lieblingsstadt) nach ISO 13485. Qualitativ hochwertige Medizinprodukte haben nun einmal ihren Preis, und warum? Alleine die jährliche Aufrechterhaltung unserer Qualitätskontrolle liegt im fünfstelligen Eurobereich. Wir investieren viel Geld zur Erforschung neuer Therapien im Bereich des Microneedling.
Machen wir es kurz: Wir sind stolz auf unsere Erfindung und wir waren die Ersten, sind und bleiben die Besten, und daran ändern auch asiatische Kopien nichts.
Selbstbehandlung
Ein trauriges Thema das später, „wenn es schief gegangen ist“, Ärzte und Krankenkassen, also die Allgemeinheit, wieder ausbaden müssen. Das Internet hat seine guten Seiten (sonst würden Sie diesen Artikel nicht lesen können), aber auch seine oft sehr tiefdunklen Schattenseiten – den illegalen Verkauf von gefälschten Medizinprodukten und die skrupellose Benutzung von Markenzeichen wie den Begriff DERMAROLLER® in unterschiedlichen Schreibweisen. Für wenig Geld kann man sich auf Internetplattformen Kopien kaufen und die Vertreiber ermuntern zur Selbstbehandlung, selbst zur Anwendung von Anästhesiecremes, die bei Unverträglichkeit einen tödlichen Schock auslösen können. Die Nadeln der Nachahmer sind oft von schlechter Stahlqualität, verbiegen sich und zerreißen die Haut – mit der Folge neuer Narben und oft schweren Hämatomen. Kopien aus asiatischen Hinterhöfen können mit Staphylokokken, Kolibakterien u.v.m. verseucht sein und der naive Käufer rollt sie sich ins Gesicht. Skrupellose Geschäftemacher ermuntern den Verbraucher zur Mehrfachanwendung und zur Sterilisation (was gar nicht möglich ist) mit dubiosen eigenen Panschprodukten. Viele Teenager verleihen auch noch ihre Nadelroller und wissen nichts von der Übertragung von Aids und Hepatitis. Ein trauriges Kapitel! Die meisten Menschen wissen nicht, dass die Haut unser größtes Organ mit lebenswichtigen Funktionen ist, genau so wichtig wie Leber, Nieren und Herz – trotzdem tragen sie ihre Haut zur Markte und behandeln sie wie einen Putzlumpen – traurig!
Medizinprodukte in den Händen von Fachleuten sind ein Segen. Medizinprodukte in Selbstbehandlung können schwerwiegende Folgen haben!
Wo liegt die zukunft des Microneedlings?
Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, dass das Geheimnis um die Dinge im Kleinen, im oft Unscheinbaren liegt. Im Grunde genommen, folgt man dem Prinzip der Simplizität, sind die Dinge recht einfach, man muss sie nur erkennen. Wir wissen um die Zellinformation durch Chemotaxis und Elektrotaxis. Wir wissen auch, dass selbst winzige Stahlnadeln über ein elektrisches Potential verfügen und elektrisch gesteuerte Zellvorgänge beeinflussen können. Wir wissen aber nicht, welche Kraft die Dinge im Innern zusammenhält, das, was man Leben nennt. Aber wir wissen, dass das Potential der Mikronadel gerade erst einmal therapeutisch „angekratzt“ ist. Dazu sei nur soviel aus der jüngsten Forschung berichtet: Pharmazeutische Wirkstoffe oder moderne Impfstoffe, transdermal, und nur Bruchteile von Millimetern (0,2 mm sind bereits ausreichend) in die Haut eingebracht, können eine Immunreaktion auslösen, die fünfzig Mal und höher ist, als herkömmliches Impfen mit der Nadel. Dendritische Zellen und Lymphbahnen sind die Transporteure neuer und wesentlich nebenwirkungsfreierer systemischer Verabreichung [5, 6] – Wir werden berichten...
Friesenheim/Frankreich, Juli 2011
Horst Liebl
[1] Min Zhao, Electrical signals control wound healing through phosphatidylinositol-3-OH
kinase-ϒ and PTEN, Nature Vol 442/27 July 2006
[1] Min Zhao, Electrical fields in wound healing—An overriding signal that directs cell mi-
gration, Department of Dermatology, 2008, Seminars in Cell & Developmental Biology 20
(2009) 674–682
[2] Schwarz, A Prospective Controlled Assessment of Microneedling with the Dermaroller
Device, Plastic and reconstructive Surgery, June 2011
[3] Aust et al., Medical needling: improving the appearance of hyperthrophic burn-scars,
GMS Verbrennungsmedizin 2009, Vol. 3, ISSN 1869-1412
[4] Lilli Fan, Don Owen, DNA Microarray Analysis of Microneedle Effects on MatTek FT
Skin Equivalent, 2010 Baton Rouge
[5] Gary W. Cleary, Microneedles for Drug Delivery, 17 November 2010, © Springer Science
+ Business Media
[6] Kalluri et al. Characterization of Microchannels Created by Metal Microneedles: Formati
on and Closure, The AAPS Journal (# 2011) DOI: 10.1208/s12248-011-9288-3






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